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Weitschiessen – So bringst du maximal Kraft auf den Stock

Es gibt verschiedene Techniken im Stocksport. Je nach Schussziel kommt entweder der gefühlvolle Stoß oder der kraftvolle Schuss zum Tragen. Wir widmen uns hier dem Letzteren. Hier erfährst du, wie du beim Weitschiessen enorm viel Kraft auf den Stock bringst.


Der Eisstock


Bevor wir uns die geeigneten Techniken im Stocksport ansehen, sollten wir uns mit der Materialbeschaffenheit vertraut machen. Ein Stock bzw. Eisstock wiegt rund vier Kilo. Er besteht aus dem Stockkörper der Laufplatte und dem Stiel. Der Stockkörper ist aus Hartholz oder Kunststoff gefertigt und am Rand mit einem Metallring umgeben. Die Gewichtsklassen sind im Stocksport in M, L und P eingeteilt. M ist die schwerste und P die leichteste Variante. Das Gewicht der Stockkörper liegt zwischen 3,5 und 3,83 Kilogramm. Der Stockgriff besteht aus Kunststoff, Leder oder Kork. Entscheidend für die Geschwindigkeit ist die Laufsohle, also die Platte. Diese besteht aus hartem Gummi. Je härter das Material, desto schneller schießt der Stock über die Bahn.


Maximale Kraft für hohe Anfangsgeschwindigkeit


Stockschießen gehört zu den Wurfsportarten - der Bewegungsablauf ist vergleichbar mit dem Kegeln, denn der Wurf geht nach unten zum Boden. Im Winter wird vom Eisstocksport bzw. Eisschießen gesprochen, im Sommer vom Stocksport (meist auf Asphalt). Somit ist der Stocksport ein Ganzjahressport, bei dem es neben der hobbymäßigen Ausübung auch nationale und internationale Meisterschaften gibt.


Den Schuss mit maximaler Geschwindigkeit und Krafteinsatz benötigst du vor allem beim Weitschiessen, welches neben dem Mannschaftsspiel und dem Zielbewerb eine von drei Wettkampfarten im Stocksport darstellt. Somit wollen wir uns hier vordergründig mit dem Weitschiessen auseinandersetzen, um die Voraussetzung für einen kraftvollen Schuss darzulegen. Dabei haben großgewachsene, kräftige Athleten große Vorteile. Die Bahn auf Asphalt oder Eis ist trichterförmig begrenzt und am Abspielpunkt 4 m und bei einer 250 m-Länge 14 m breit. Bei dieser Form des Stocksports muss jeder Spieler den gleichen Stock mit der gleichen Platte verwenden, um mit 5 Versuchen die größtmögliche Weite zu erzielen. Dabei muss der Stock innerhalb der Begrenzungslinien bis zum Stillstand auf der Platte gleiten.

Anmerkung: Der Eisstockweitensport ist neben dem Mannschaftsschießen und dem Zielschießen die dritte Sparte im Eisstocksport. Die aktuellsten Informationen darüber findet man auf: www.weitschiessen.de und eisstockweitensport.at


Da die maximale Weite das Ziel ist, wird diese nur mit dem maximal höchsten Krafteinsatz, der besten Stockauflage und dem Treffen der schnellsten Spur erreicht. Der Bewegungsablauf hat beim Weitschiessen wenig Ähnlichkeit mit den anderen Stocksportarten des Mannschaftsspiels und des Zielbewerbs, da es dort mehr auf die Technik und Taktik ankommt.


Beim Weitschiessen erzielst du nur sehr hohe Anfangsgeschwindigkeiten des Stockes, durch großes Vorspannen des gesamten Körpers oder durch eine Technik, bei der du den Beschleunigungsweg verlängerst. Im Weitschiessen erreichst du die größte Weite, indem dir die größte Anfangsgeschwindigkeit mit dem gleichzeitig ruhigsten Aufsetzen des Stockes auf die Bahn gelingt. Da aber die Weitenbewerbsbahnen im Stocksport nicht über die ganze Länge den gleichen Reibungswiderstand aufweisen, musst du zusätzlich auch noch die schnellste Spur treffen.


Die 3 Faktoren für den effektivsten Schuss beim Weitschiessen


Um im Stocksport einen effektiven bzw. kraftvollen Schuss hinzubekommen, müssen im wesentlichen
drei Bedingungen erfüllt sein, um erfolgreiche Weiten zu erzielen:


  1. Zunächst brauchst du eine hohe Anfangsgeschwindigkeit. Diese ist abhängig von einem großem Beschleunigungsweg, der Körpergröße, dem maximalen Vorspannen und optional von der sogenannten Achtertechnik. Die Achtertechnik bringt im Stocksport enorme Vorteile für weniger kräftige und kleinere Spieler, birgt jedoch das Risiko von häufigen Fehlversuchen in sich. Dann brauchst du einen schnellen bzw. hohen Krafteinsatz, welcher abhängig von deinen Sprinterqualitäten, Schnellkraft und Atemtechnik ist, sowie dem technischen Ablauf deiner Bewegung, vor allem beim Vorspannen.
  2. Das Ruhige, im Stocksport "geschmierte", Auflegen des Stockes auf die Bahn, wird beeinflusst durch einen koordinierten Krafteinsatz, die körperliche Beweglichkeit, die richtige Stiellänge und Griffform, sowie die richtige Auswahl von Haftmitteln (Pech, Tennisspray, Magnesium).
  3. Das Treffen der Bahn.


Der Bewegungsablauf beim Weitschiessen


Zunächst leitest du die Konzentrationsphase ein. Nachdem du den festen Sitz des Stieles geprüft hast, beginnst du auf dem Abspielpunkt (Furse) den Stock zu schwingen. Während des Schwingens suchst du nach dem richtigen Stand und findest den notwendigen Atemrhythmus. Wenn du in beiden Punkten sicher bist, leitest du das letzte Vorspannen ein. Nun kommt es zum Vorspannen (letztes Ausholen) mit stark artikulierter Gegenbewegung und höchstem Krafteinsatz. Nach dem Aufsetzen des Stockes auf dem Boden (Eis oder Asphalt), bremst du den Körperschwung vor der 7 m -Linie ab und beobachtest den laufenden Stock.


Im folgenden Video vom Europacup 2015 siehst du die gängigsten Bewegungsabläufe im Zeitraffer. Wir bedanken uns beim Betreiber der Plattform stocksportnews.at für die hervorragenden Bilder.

Und so kannst du das konkret im Stocksport umsetzen: Wir gehen von einem Rechtshänder aus. Du stehst mit der linken Seite auf der Abspielplatte (Furse) zur Spielrichtung und holst seitlich über dem Kopf aus. Dabei musst du mit dem Handgelenk nach innen, dem gestreckten Arm (ohne Beugen des Ellbogens), dem Schultergelenk und dem verdrehten bzw. seitlich geneigten Rumpf eine Vorspannung aufbauen. (Abb. 1)

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Abb. 1 - Über dem Kopf ausholen

Durch die Ausholbewegung erwirkst du eine Gewichtsverlagerung auf die linke Seite, die du durch eine Gegenbewegung des linken Beines (Ausfallbein) ausgleichst. Dabei wird das linke Bein vor dem rechten Bein nach rechts geschwenkt. (Abb. 2) Für Linkshänder erfolgt dieser Bewegungsablauf spiegelverkehrt. 

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Abb. 2 - Beinausgleich


Eine ähnliche Technik, die vor allem für besonders kräftige Spieler im Stocksport geeignet ist, nutzt die Rückprallelastizität. Dabei stellst du dich etwas breitbeiniger auf die Abspielplatte auf und leitest die Vorspannbewegung unter Nutzung des Stockgewichts etwas rascher ein. Das Ausfallbein bleibt dabei am Boden und schwenkt nicht zur Seite. Indem du den Stock in einem spiralartigen Kreis nach oben bewegst, beginnst du mit der eigentlichen Bewegung. Diese wird immer schneller und am tiefsten Punkt verlässt der Stock deine Hand und wird danach stoßfrei auf die Bahn gesetzt. 


Mit der Vorderseite schwenkst du deinen Körper in Spielrichtung und setzt einen Ausfallschritt. Dabei wird der Körper durch das Strecken des Standbeines im Fußgelenk nach vorn bewegt und im Rumpf gestreckt. Mit der Versuchsbewegung (Schussbewegung) soll die Ausatmung beginnen, um den Rumpf zu stabilisieren. Um die Vorspannung nicht einzuengen, ist ein Pressen zu vermeiden.


Die Achtertechnik beim Weitschiessen


Im Stocksport gibt es auch die sogenannte Achtertechnik. Der Name rührt daher, da der Stock in einer achterförmige Beschleunigungsbahn bewegt wird. Dabei stehst du mit dem Rücken zur Spielrichtung und die Vorspannung erzeugst du durch Strecken des Körpers und der Versuchshand mit dem Stock nach oben. Am höchsten Punkt beginnt die Versuchsbewegung, (Abb. 3) dabei kommt der Stock kurz in Ruhestellung. 

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Abb. 3 - Achtertechnik


Dann wird der Stock nach unten beschleunigt und in die Achterbahn gelenkt. Zur Erhöhung der Standsicherheit wird als Gegenbewegung das Ausfallbein ruckartig gehoben. Danach musst du den Körper um 180 Grad wenden, sodass die Vorderseite in Spielrichtung zeigt. Nun setzt du mit vollem Schwung den Stock auf die Bahn. Diese Technik erfordert viel Beweglichkeit und ist für kleinere Spieler geeignet. (Anmerkung: Im folgenden Video findest du ab Minute 6,20 einen Schützen der diese Technik anwendet)

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